Woman  with a tester and a printed circuit board

Ausbildung mit Potenzial: eine Lehre in einem technischen Beruf.

Mehr Fachkräfte dank dualem Bildungsweg

Orientierung Auf dem Lehrstellenmarkt zeigt sich immer wieder eine paradoxe Situation: Hunderte Lehrstellen bleiben unbesetzt. Stark betroffen sind jeweils die technischen Berufe. Dabei bieten diese spannende Ausbildungs- und Karrierechanen.

SMA

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Beim Begriff «Fachkräftemangel» scheiden sich die Geister. Manche erachten diesen als Panikmache, die anderen als reales Problem der Schweizer Wirtschaft. Ingo Fritschi, Geschäftsführer von «libs Industrielle Berufslehren Schweiz », gehört zur zweiten Gruppe. Aus gutem Grund: «Wir hätten gerne mehr Bewerbungen für die technischen Berufe», sagt Fritschi. «Der Mangel ist Realität, das stellen wir fest.» Zu einem ähnlichen Verdikt kam schon vergangenes Jahr das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI): Demnach gab es 2014 mehr freie Lehrstellen in technische Berufen, als Bewerber.

Dieser Trend überrascht Fritschi nicht. Die technischen Berufe hätten mit zwei Hauptproblemen zu kämpfen. Das erste liegt im fehlenden Zugang der Jungen zur Technik. «Ein Achtjähriger kann zwar bereits virtuos mit dem Smartphone hantieren, wie es aber funktioniert, bleibt auch den Jungen zu oft unklar.» Das hänge aber auch damit zusammen, dass Technologie immer komplizierter und abstrakter werde.

Das Zweite Hauptproblem liege oft bei den Eltern: Diese wollten für ihre Kinder nur das Beste, was in vielen Haushalten mit «Studium» gleichgesetzt würde. «Gegen ein Studium ist auch absolut nichts zu sagen, aber in vielen Fällen wäre eine Lehre sinnvoll, die wertvolles und praxisnahes Wissen vermittelt.» Und ein weiterführendes Studium sei ja auch nach der Lehre möglich.

Ingenieur Schule

Was kann man tun?

Anstatt sich nur über die Situation zu beklagen, unternehmen Fritschi und das Team von libs etwas, um den Leuten das Potenzial der technischen Berufslehren aufzuzeigen. «Wir setzen dabei sowohl bei den Kids an, als auch bei Lehrpersonen», führt Fritschi aus. Denn bei denen sei das Bewusstsein für die Chancen der technischen Berufsgattungen oft ebenfalls nicht genügend vorhanden. Deswegen habe man die «Techdays for Teachers» eingeführt; Infotagungen, die Lehrern einen Tour d’Horizon der Technik aufzeigen.

Bei den Kids müsse man das Interesse für Technik möglichst früh fördern. Zum Beispiel veranstalte man eine Technik Roadshow mit einem fahrbaren Techniklabor – komplett ausgerüstet mit einem ABB-Roboter.

«Die Anforderungen in diesen Firmen sind hoch – und diese Qualität müssen wir in der Schweiz bewahren.»

Die Idee, den Fachkräftemangel mit einer Verkürzung der Ausbildung zu beheben, hält Fritschi nicht für zielführend. «Wir brauchen in der Schweiz nun einmal die besten Leute, es ist darum nötig, dass z.B. ein Polymechaniker eine vierjährige Ausbildung durchläuft.» Dies stelle man auch bei den Industriepartnern von Libs fest, darunter ABB, Alstom, Bombardier sowie weitere MEM-Grossunternehmen. Denn wer eine vierjährige Lehre beim dienstleistenden Berufsbilder libs absolviert, erhält in dieser Zeit Einsicht in diese grossen Unternehmen und lernt in deren Betrieben das jeweilige Handwerk. «Die Anforderungen in diesen Firmen sind hoch – und diese Qualität müssen wir in der Schweiz bewahren.»