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Nötig sind Transparenz und Vergleichbarkeit der Abschlüsse

Viele Menschen spüren heute, dass  Diplome «veralten»: Die Lerninhalte, die in der formalen Ausbildung vermittelt worden sind, sind nach zehn, sicher nach zwanzig Jahren nicht mehr aktuell. Sogar akademische Diplome «veralten» heute schneller. Wer glaubt, mit einem Titel ein für allemal gut positioniert zu sein, muss heute oft demütigende Erfahrungen machen.   Natürlich, es gibt … Continued

Miriam Dibsdale

Viele Menschen spüren heute, dass  Diplome «veralten»: Die Lerninhalte, die in der formalen Ausbildung vermittelt worden sind, sind nach zehn, sicher nach zwanzig Jahren nicht mehr aktuell. Sogar akademische Diplome «veralten» heute schneller. Wer glaubt, mit einem Titel ein für allemal gut positioniert zu sein, muss heute oft demütigende Erfahrungen machen.

 

Natürlich, es gibt Grundwissenselemente der Erstausbildung, die als unveränderter Grundstock bestehen bleiben. Aber das Anwendungswissen, die Fähigkeit, neue Prozesse, neue Methoden und neue Materialien zu beherrschen, müssen während eines Arbeitslebens mehrmals erneuert werden. Was hat sich in den letzten zwanzig Jahren in der Informatik, der Betriebsorganisation, bei den nötigen Sprachkompetenzen im Zeichen der Globalisierung nicht alles verändert!

 

Die Weiterbildung bewegt sich in der Schweiz in einem freien Markt mit einem jährlichen Umsatz von rund sechs Milliarden Franken. Das verzweigte, marktwirtschaftlich organisierte Weiterbildungssystem hat allerdings ein Problem: Es fehlen die Transparenz und Vergleichbarkeit der Abschlüsse. Es fehlt eine Qualitätssicherung. Studierende wie Arbeitgeber wissen oft nicht, was hinter einem Weiterbildungsdiplom steht.

 

Sehr gut transparent und vergleichbar sind jene formalen Abschlüsse, die vom Bund oder einer öffentlichen Stelle zertifiziert sind. Etwa das Eidgenössische Fähigkeitszeugnis EFZ nach der Berufslehre, das in 230 Berufen, einen schweizweit vergleichbaren Abschluss ermöglicht. Oder die Stufen der höheren Berufsbildung, die mit rund 500 eidgenössisch anerkannten Diplomen auch mit 25, 30 oder 40 Jahren noch eine weitere berufliche Spezialisierung erlaubt. Noch schlecht bestellt ist hingegen die Transparenz und Vergleichbarkeit der Weiterbildungen im nonformalen Bereich. Jeder kann heute ein Diplom ausstellen. Dazu gehört auch der Wirrwarr von Weiterbildungsstufen der Hochschulen, die mit selbst entwickelten, höchst unterschiedlichen Studiengängen und illustren Kürzeln wie CAS, DAS, MAS untereinander in Konkurrenz stehen. Wir insistieren seit langem, dass der Bund auch die nonformalen Abschlüsse einer Transparenz und Qualitätssicherung unterzieht. Mit zwei neuen Gesetzen, dem Weiterbildungsgesetz und dem Hochschulförderungsgesetz, hätte er auch die Kompetenz dazu!

 

Rudolf Strahm ist Autor des Buch des Buches: «Die Akademisierungsfalle. Warum nicht alle an die Uni müssen». hep-Bildungsverlag