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Allegra! zum Integrationsunterricht – die etwas andere Schule

Sprachen Die Schweiz ist nicht nur aufgrund der vier Landessprachen ein Vorreiter in Sachen Diversität. Menschen aus verschiedensten Kulturen leben hier erfolgreich und friedlich zusammen. Die Integration beinhaltet dabei weit mehr als die Beherrschung der Sprache.

Ishan Ilangakoon

Um die Integration so effizient wie möglich zu gestalten, bietet allegra! einen individuellen Integrationsunterricht an. Andreas Földényi, Direktor der Allegra-Schulgruppe steht dabei«Fokus Diversity» Red und Antwort. Andreas Földényi, welche Kurse bietet allegra! an? Integrationskurse sind unser Kernbusiness. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, nur eine Sprache zu erlernen. Wir möchten die zu uns kommenden Menschen schulisch, soziokulturell und/oder beruflich integrieren. Je nach Situation stellen wir den Fächerkatalog, das Anspruchsniveau und die Klassenzusammenstellung entsprechend anders zusammen. Bei uns sind die Integrationskurse zudem individuell unterschiedlich gestaltet: Dauer, Fächer und Intensität. Diese repräsentieren einen massgeschneiderten Massnahmekatalog, welcher für die betroffene Person die effizienteste Lösung ist, um zum individuellen Ziel zu gelangen.

Sie bieten Intensivkurse für die schulische und kulturelle Integration. Was bedeutet dies genau?

allegra! bietet integrative Schulungsmassnahmen an. Deshalb müssen wir ganz am Anfang beginnen – beim Individuum. Aus welchem Kontext und mit welcher Geschichte sitzt die Person bei uns im Klassenzimmer? Die führt zu einem so weit wie möglich individualisierten Ansatz: Wie begleiten wir die Person auf ihrem Weg und zum Ziel? Autonomie im Alltag, soziale und kulturelle Integration, Übertritt in eine öffentliche Schule, Aufnahme einer Lehre oder Integration im beruflichen Kontext sind dabei die Ziele.

Sehen Sie sich demzufolge als Unterstützer der Gemeinden und deren öffentlichen Schulen?

Diese Frage bringt die Frage mit sich, wer der Kunde ist. Wir unterscheiden aus diesem Grund zwischen dem Kunden und dem Konsumenten, also dem Lerner, welcher unsere Leistungen direkt konsumiert. Dieser ist aber nicht unser Kunde, da der Kunde jener ist, der für die Ausbildung bezahlt. Die Kunden sind die Sozialdienste der politischen Gemeinden oder die Schulgemeinden. Zusätzlich haben wir aber noch Hilfsorganisationen wie Caritas oder das Rote Kreuz als Kunden, welche uns als Bildungspartner zu Rate ziehen. Es ist also eine sehr nahe Zusammenarbeit zwischen den Kunden und der allegra! Für die Teilnehmenden ist dies natürlich äusserst wertvoll.

Herr Andreas Földényi_2016

Andreas Földényi
Direktor, allegra!
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Die Kosten für die Gemeinden sind bei uns zudem tiefer, als wenn sie die Schüler an eine öffentliche Schule schicken und diese sich dort nicht integrieren können und später arbeitslos sind. Der ROI ist bei allegra! deutlich höher. Das heisst, dass ein Mehrfaches des Investition, durch Sozialbeiträge der arbeitenden, erfolgreich integrierten Personen zurückkommt.

Welche Anforderungen haben Sie an das Lehrpersonal?

Vorweg: Die allegra! hat sich im Laufe der Jahre dank eines qualifizierten und engagierten Teams einen sehr guten Ruf erarbeitet. Dies hat sich auch in der Rekrutierung des Lehrpersonals manifestiert. Wir haben zunehmend viele, spannende Bewerbungen.

Unsere Lehrpersonen müssen nebst den pädagogischen Qualifikationen eine gewisse Leidenschaft mitbringen und auch die Motivation aufbringen, nicht nur Bücherinhalte vermitteln zu wollen. Es ist ein anspruchsvoller und komplexer Auftrag, dem sich unsere Lehrpersonen täglich mit viel Herzblut stellen. Da müssen sie natürlich gewisse Voraussetzungen mitbringen, um bei uns arbeiten zu können – vor allem bezüglich der Persönlichkeit. Bei uns passt der Begriff «Integrations-Mentoren» wohl besser zu den Unterrichtenden.

Was macht es den Schülern abgesehen von der Sprache besonders schwer, sich in der Schweiz zu integrieren?

Das sind sicher einmal drei Haupthürden, welche Schüler überwinden müssen. Die erste ist die Kommunikationshürde. Getreu dem Motto: Ich kann mich nicht verständlich machen und ich verstehe nicht, was mir gesagt wird. Die Sprache als Hürde ist eine Bedingung aber meiner Meinung nach nicht hinreichend für eine erfolgreiche Integration. Die zweite ist die schlichte Autonomie im Alltag. Viele Menschen, welche neu in der Schweiz sind, stehen vor ganz vielen Herausforderungen, die für uns völlig normal sind. Zum Beispiel: Warum muss ich allen zur Begrüssung die Hände schütteln? Wo muss ich zum Tramfahren eine Fahrkarte kaufen? Wir bringen unseren Schülern manchmal sogar bei, wie man in westlichen Ländern auf die Toilette geht. Das ist dann der kulturelle Kontext im Sinne von Autonomie im Alltag. Die dritte Hürde ist das Zwischenmenschliche, also Sitten und Bräuche, Werte und Normen und die Mentalität. Zum Beispiel: Warum kann ich im Tram nicht laut singen? Muss ich auch meine weibliche Lehrperson akzeptieren? Manchmal muss man dann den Eltern der Schüler erklären, dass sie sich nun in der Schweiz befinden, wo Frauen und Männer gleichgestellt sind.

Ein zehnjähriges Mädchen aus Eritrea, welches noch nie in der Schule war, Analphabetin ist und grösste Schwierigkeiten bei der Verarbeitung des Erlebten hat, gehört zum höchsten Schwierigkeitsgrad.

Wie lange betreuen und begleiten Sie Ihre Schüler?

Das ist sehr unterschiedlich und hängt sehr stark mit der jeweiligen Historie zusammen. Ein zehnjähriges Mädchen aus Eritrea, welches noch nie in der Schule war, Analphabetin ist und grösste Schwierigkeiten bei der Verarbeitung des Erlebten hat, gehört zum höchsten Schwierigkeitsgrad. Sie wäre dann ein Kind, welches tendenziell ein Jahr bei uns im Integrationsunterricht verbringt. Es gibt aber natürlich auch Schülerinnen und Schüler eines bildungsnahen Landes, welche wir vielleicht nur zwei bis drei Monate betreuen.

Ihre Schüler stammen aus Ländern wie Sri Lanka, Portugal, Indien usw. Wie gehen Sie mit den verschiedenen Kulturen in einem Raum um?

Da sind wir wieder beim Thema: Was ist unser Auftrag? Wenn man eine Lehrperson ist, die sich das öffentliche System gewöhnt ist – also primär eine stoffvermittelnde Rolle wahrnimmt, dann wird man in unserem Klassenraum scheitern. Unsere Lehrpersonen sind es sich gewohnt, mit den verschiedenen Schülern im Raum den Tag je nach Stimmung zu gestalten. Sie können selten ihrem Lektionsplan konsequent folgen. Ein gutes Beispiel wie ein Tag bei uns aussehen kann ist folgendes: Es gab einen Streit im Zug. Nun analysieren wir gemeinsam das Szenario im Unterricht und lernen, was man beim nächsten Mal besser machen kann und muss. Mit Bildern und Rollenspielen kann man die drei angesprochenen Hürden zum Thema behandeln. Wir haben darüber hinaus bei allegra! deutlich kleinere Klassen als an öffentlichen Schulen.

Auch Herr und Frau Schweizer haben es je nach Branche nicht einfach, einen Job zu finden. Wie beurteilen Sie die Situation der Menschen, für welche gar Sprache und Kultur neu sind?

Unsere Schüler sind nicht nur Flüchtlinge und Migranten, sondern auch andere Klienten, die beim Sozialamt ihrer Gemeinden gemeldet sind. Wir helfen auch ihnen, mit adäquaten Angeboten den Weg zurück in die Arbeitsgesellschaft zu finden. Auch Herr und Frau Schweizer sehen sich mit Hürden konfrontiert, aber klar sind diese für Menschen, für welche Sprache und Kultur neu sind deutlich höher.

Die Lösung, auf allegra! zu setzen ist  deutlich zeitsparender als ein neues Schulhaus aufzubauen oder einen Container aufzustellen.

allegra! ist unter anderem in Bern, Zürich und Winterthur vertreten. Warum haben Sie sich für die grösseren Städte entschieden?

Natürlich ist die Standortwahl sehr stark abhängig von der Nachfrage. Winterthur ist ein gutes Beispiel. Wir waren dort lange Zeit nicht vertreten, führten aber vor drei Jahren regelmässig Gespräche mit dem Schuldepartement der Stadt Winterthur. Denn zu dieser Zeit hatte vor allem der Zuwachs an Kindern aus Syrien und Eritrea stark zugenommen. Die Lösung, auf allegra! zu setzen ist dabei natürlich deutlich zeitsparender als in rund zehn Jahren ein neues Schulhaus aufzubauen oder einen Container aufzustellen. Wir repräsentieren in Winterthur eine Art langfristige Übergangslösung, da sich die Regierung bewusst ist, dass der Anstieg der Kinder aus diesen Ländern vorübergehender Natur ist.

An welchen Standorten sind weitere Schulen geplant?

Das Thema Integration per se ist kein Zürcher Phänomen, sondern ein schweizweites. Dementsprechend führen wir abklärende Gespräche mit allen grösseren Schweizer Städten. Natürlich gibt es dabei Städte, die vielleicht aufgrund ihrer politischen oder ökologischen Situation besser geeignet sind. Ob und wann wir in neuen Standorten wie Basel, Luzern oder auch in der Romandie und im Tessin vertreten sind, kann ich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht beantworten.

Sie arbeiten mit vielen renommierten Partnern und Kunden zusammen. Wie muss man sich diese Zusammenarbeit vorstellen?

Wir unterhalten eine konstruktive und enge Partnerschaft, bei der beispielsweise eine Hilfsorganisation mit der allegra! kooperiert: Sie sind der Praxispartner und wir sind der Bildungspartner. Zusammen ergänzen wir uns perfekt. Das ist für eine erfolgreiche Integration eines Kindes oder eines Erwachsenen äusserst förderlich.

Bei den (Firmen-)Kunden haben wir vier Stossrichtungen: Pflegeberufe, Gastronomie, Bauberufe und Reinigungsberufe. Die Unternehmen erklären sich beispielsweise bereit, geflüchtete Menschen bei sich zu integrieren. Jedoch fehlt es diesen häufig noch an gewissen schulischen und kulturellen Aspekten, welche allegra! vermittelt. Die Unternehmen finden es natürlich ideal, dass wir die Leute für sie fit machen können.

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